Gedanken zum Monatsspruch Februar 2024

 

 

Gleichzeitiges aushalten

 

 

 

Ich bin überfordert: Die Familie, die glücklich in ihr neues Haus einzieht. Der Mann, der im Bahnhof sitzt und nach Geld fragt. Die Politikerin, die sagt, dass sie in den letzten Monaten so viel erreicht hat. Das Kind, das Pfandflaschen sammelt. Das Paar, das von der ausgelassenen Silvesterparty erzählt. Die Frau, die sich vor Bomben verstecken muss.

 

 

 

Wo positioniere ich mich bei all dem, was in der Welt los ist? So vieles ist gleichzeitig – wie soll ich mich eigentlich fühlen?

 

 

 

Bilder von Reichtum und Freunde und auf der anderen Seite Armut und Traurigkeit. Und wo bin ich? Irgendwo dazwischen? Kann es nicht einfach richtig und falsch geben? Eine einfache Antwort auf alle Fragen. Das Leben zeigt mir so einfach ist es nicht. Da ist mehr – und es wird immer mehr.

 

 

 

Paulus schreibt: „Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit.“ (2 Tim 3,16) So einfach es klingt, so leicht nehme ich es nicht wahr. Wo ist das Patentrezept? Ich suche vergeblich… und suche weiter.

 

 

 

Die Schrift, die Bibel zeigt, wie das Leben geht und zur Besserung hilft. Aber nicht mit einer eindeutigen Anweisung, die alles löst. Es ist nicht nur die eine Geschichte, die alles so einfach macht, sondern da sind so viele Geschichten von Menschen, die auch nicht weiterwissen, sich fragen, was sie glauben sollen, wem sie trauen können, die Gleichzeitiges aushalten.

 

 

 

Die Bibel erzählt nicht von Superheld:innen, die immer eine Antwort hatten, die sich nie verunsichern haben lassen. Auch sie haben nach Antworten gesucht und dabei neue Perspektiven gefunden. Sie haben nicht aufgegeben und haben sich auf den oft ungewissen Weg mit Gott eingelassen.

 

 

 

Bei all dem, was in der Welt passiert, verliere ich schnell den Überblick. Ich bin verunsichert und überfordert. Und das darf ich sein, denn das Leben hat mehr als eine Antwort. Ich darf auf der Suche bleiben und meine Meinung ändern. Ich versuche daran nicht zu zerbrechen und mich an den Lebenserfahrungen, die Menschen schon gemacht haben zu orientieren.

 

             

 

Ich darf verunsichert sein. Ich darf neue Fragen stellen und alte Antworten neu bedenken. Ich darf überfordert sein.

 

 

 

Und bei all dem bin ich nicht allein – Gott ist bei mir – auch wenn ich das nicht immer sofort erkenne.

 

 

 

Vikarin Lea Müller

 

Bad Hersfeld

Grafik: medio.tv/Fricke